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Finanzkrise 2.0 - Oder ist dieses Mal alles anders?

Aktualisiert: 20. März 2023

In den letzten 2 Wochen hat es gleich 3 Insolvenzen von amerikanischen Finanzhäusern gegeben. Zuerst ist die Silvergate Bank, dann die Silicon Valley Bank und zuletzt die Signature Bank zusammengebrochen. Nun kämpft auch die Credit Suisse aus der Schweiz und die Regionalbank First Republic Bank aus den USA um ihr überleben. Sind das alles besondere Einzelfälle, die miteinander nichts zu tun haben oder gibt es Gemeinsamkeiten, die ein eventuelles systemisches Risiko aufzeigen, welches auch bei vielen anderen Banken schwelt?


Silvergate - ein besonderer Einzellfall


Nach der Bekanntgabe der Insolvenz der Kryptobörse FTX haben die Kunden innerhalb von wenigen Wochen 70 % der Einlagegelder bei der Kryptobank Silvergate abgezogen. Zusätzlich sind rund ein dutzend weitere Unternehmen, die Kunden bei der Silvergate Bank gewesen sind, in das Visier von den Aufsichtsbehörden geraten, die entweder geschlossen, mit Strafen belegt worden sind oder die Insolvenz anmelden mussten. Die Pleite von Silvergate war unabwendbar und hat außerhalb der Kryptowelt kaum Wellen geschlagen. Ein sehr spezieller Einzelfall mit sehr geringer Auswirkung auf den gesamten Finanzmarkt.


Silicon Valley Bank - ein weiterer besonderer Einzelfall


Die SVB hatte sich auf die Finanzierung von High-Tech-Unternehmen und Starts-Ups spezialisiert. Des Weiteren hat man auch Dienstleistungen für diese Unternehmen angeboten, die ein Allround Paket darstellten. Die SVB hatte somit eine sehr wichtige Funktion für die junge Gründerszene in den USA und damit auch mehr als 40 Jahre Erfolg.


Opfer des eigenen Erfolges und der Niedrigzinsphase in den USA. Innerhalb von 2 Jahren- Ende 2019 bis Ende 2021 - sind die Kundeneinlagen von 62 Mrd. $ auf 189 Mrd. $ angewachsen, die zu einem guten Teil in langfristige Staats- und Hypothekenanleihen angelegt worden sind. Durch den starken Zinsanstieg in den USA und in Folge dessen das Ende des Tech-Boom haben vermehrt Kunden ihre Einlagegelder abgezogen. Die Bank musste jetzt dazu übergehen ihre langlaufen Staats- und Hypothekenanleihen zu ungünstigen Kursen zu verkaufen, denn steigen die Zinsen, dann sind automatisch die alten niedrig verzinsten Anleihen weniger wert, hierdurch entstanden die ersten Verluste. Die Probleme sind einem kleinen speziellen Publikum bekannt geworden, diese haben in der Folge andere aufgefordert ihre Gelder von der SVB abzuziehen. Damit ist die Lawine in Gang gesetzt worden, weitere Anleihen mussten mit Verlust verkauft und noch mehr Gelder sind von den Konten abgezogen worden. Anfang März beliefen sich die Verluste bereits auf 1,8 Mrd. $. Eine Kapitalerhöhung um 2,25 Mrd. $ scheiterte und die Bank ist dann von der Aufsichtsbehörde geschlossen worden und insolvent.


Einlage bei der SVB in Milliarden $

Quelle: Zerohedge


Die Insolvenz von SVB ist die zweitgrößte Pleite einer US-Bank gewesen (Lehman-Brothers zählt hier nicht als klassische Bank) .


87 % der Einlagegelder sind nicht versichert gewesen und zunächst sollten diese Gelder auch in der Insolvenzmasse landen und wären somit eingefroren gewesen, mittlerweile sind diese Gelder aber nachversichert worden und somit für die Kunden wieder verfügbar. Doch der erste Schaden ist angerichtet, das mediale Echo groß und die Bedenken hinsichtlich anderer Bank nimmt Fahrt auf.



Signature Bank - keine besondere Regionalbank


Nur 3 Tage nach dem Zusammenbruch der SVB hat es die Signature Bank getroffen und stellt damit den drittgrößten Zusammenbruch einer US-Bank dar.


Die Signature Bank ist eine ganz normale, aber relativ große Regionalbank in den USA gewesen.

Ähnlich wie der SVB sind große Teile der Einlagen in langfristige Staats- und Unternehmensanleihen investiert worden. Viele Kunden der Signature Bank haben in Folge der stark angestiegenen Anleiherenditen in den letzten Wochen und Monaten kurzfristig laufende US-Staatsanleihen mit einem Coupon von 4 - 5 % gekauft um den niedrig verzinsten Konten der Bank zu entgehen. Hierdurch sind die Einlagen zunächst leicht nach und nach geschrumpft und die ersten Probleme in der Bilanz sind greifbar geworden. Durch die Finanzturbulenzen bei den anderen Banken ist es zu vermehrten Kapitalüberweisungen hin zu den Großbanken gekommen, da dort das Anlageportfolio breiter aufgestellt ist und generell die Gefahr eines Zusammenbruchs geringer ist, weil "too big to fail". Somit kam die Abwärtsspirale in Gang, es mussten immer mehr langfristige Anleihen mit Kursverlusten verkauft werden und damit schrumpfte das Eigenkapital, was wiederum weitere Geldabflüsse nach sich zog. Das Eigenkapital ist dann am Ende negativ gewesen und eine Refinanzierung scheiterte, die Bank ist insolvent.


Grundsätzlich stehen alle kleinen Regionalbanken in den USA vor ähnlichen Problemen, werden diese nicht gelöst, wird eine nach der anderen in die Insolvenz getrieben werden. In Summe sind diese kleinen Regionalbanken aber von sehr großer Bedeutung in den USA, stehen sie doch in den USA für einen großen Teil der Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen, haben aber gleichzeitig weniger Zugriffsmöglichkeiten auf bisherige Nothilfen der FED und wenn dann nur zu ungünstigen Konditionen.



First Republic Bank - Es wird systemisch


Die Probleme bei der First Republic Bank sind ähnlich gelagert wie bei der Signature Bank, denn auch sie ist eine Regionalbank. Die Großbanken der USA haben letzte Woche zumindest 30 Mrd. $ für 120 Tage bei der Bank zu attraktiven Zinsen angelegt, quasi eine Rücküberweisung der zuvor abgezogenen Kundengelder, aber zu schlechteren Konditionen.


Das Vertrauen konnte damit nicht zurückgewonnen werden und das tieferliegende Problem ist auch nicht gelöst worden. Hier muss mehr passieren, damit die anderen Regionalbanken nicht wie Dominosteine umfallen und letztlich das Gesamtvertrauen in die Finanzindustrie weiter erschüttert wird.


Credit Suisse - Ein jahrelanges Siechen durch hausgemachte Fehler


Die Credit Suisse ist nach der UBS die zweitgrößte Bank der Schweiz und auch international groß im Geschäft. Durch schlechtes Risikomanagement ist die Bank tief in den roten Zahlen geraten, schwere Verluste erlitt die Bank in letzter Zeit durch den Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos und der Liquidierung der Greensill-Fonds. Zusätzlich steht die Bank wegen Korruptionsaffären und Geldwäsche unter Druck. Das Vertrauen ist somit schon zuvor erschüttert worden und als angeschlagenes Institut suchen die Einlagen lieber sichere Horte in den sich zuspitzenden Zeiten.


Einlagen der Credit Suisse kollabieren

Quelle: Factset Mit einer Bilanzsumme von 541 Mrd. € und einem weit verzweigten globalen Geschäft gilt die Bank als eine der 30 systemrelevanten Banken auf der Welt. Bricht diese Bank zusammen, hätte es international schwer kalkulierbare Folgen und könnte weitere Finanzinstitute mit in den Abgrund ziehen, aufgrund dessen wird mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet.


Neueste Entwicklung: Die UBS übernimmt die Credit Suisse für 3 Mrd. € - flankiert von einer Liquiditätshilfe durch die Schweizer Notenbank in Höhe von 100 Mrd. € und einer Bundesgarantie von 9 Mrd. € für die Übernahme von etwaigen Verlusten.


Fazit:


Der Schaden ist angerichtet und die ersten Schockwellen treffen bereits die globalen Finanzmärkte. Dennoch hinter den Kulissen hat man erkannt, dass schnelles und konsequentes Handeln jetzt notwendig ist, bevor die Lawine so richtig in Rollen kommt und damit außer Kontrolle zu geraten droht.

Die Frage bleibt aber offen, ob die jetzt in Gang gesetzten Unterstützungsmaßnahmen ausreichend sind und noch viel wichtiger, auch das Vertrauen bei den Investoren und Sparern zurückgewonnen werden kann.


Die FED hat bereits mit einer erneuten massiven Ausweitung ihrer Bilanz reagiert und dem Bankensystem über 300 Mrd. $ innerhalb einer Woche bereitgestellt. Diese Bilanzausweitung seitens der FED hat fast die Hälfte der Bilanzreduzierung, die fast ein Jahr dauerte, wieder nivelliert.

Andere Großbanken in den USA haben mit einer kleinen Rücküberweisung der abgezogenen Gelder an die Regionalbank First Republic Bank reagiert, aber zu nicht vorteilhaften Konditionen und auch begrenzt auf 120 Tage.


Die Politik in den USA haben die erste Schritte unternommen die Situation zu beruhigen. Bisher sind das aber mehr Lippenbekenntnisse als belastbare Fakten. Die versprochene Einlagensicherung für alle Konten und Summen ist faktisch weiterhin nicht gegeben, da hierfür erst der Kongress zustimmen müsste.

Die Einlagensicherung in den USA, die FDIC, hat zwar im Nachhinein die Einlagen für die SVB als sicher erklärt, es bleibt aber zunächst ein Einzelfall, denn die Ausweitung auf immer mehr Banken und Kontentypen muss erst durch die Legislative verabschiedet werden.


Viele weitere kleinere Maßnahmen sind zusätzlich bereits ergriffen worden, doch der große Wurf fehlt hier noch.

Ob die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit ausreichend sind, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Hier spielt sehr die Massenpsychologie eine große Rolle und somit die Kommunikationspolitik seitens der wichtigen Akteure.


Inwieweit sich ein Übergreifen auf andere Finanzmärkte vermeiden lässt, siehe den Fall der Credit Suisse, ist nicht vorherzusagen. Eine globale konzertierte Aktion rückt immer näher in das Blickfeld. Noch stehen die Chance gut eine Kettenreaktion an den Märkten zu vermeiden, doch ist ebenso weiterhin die Gefahr einer Eskalation gegeben. Wir befinden uns an einem Kipppunkt, der bei einem schlechten Management schnell zu massiven Abverkäufen an den Märkten führen kann.


Wir raten zu einem ruhigen und besonnenen Agieren an den Märkten die nächsten Wochen und die Situation genau zu beobachten. Ein Vorhalten eines guten Cashpolsters und etwaigen Absicherungsgeschäften bei den bestehenden Long-Positionen ergibt dann in beiden aufgezeigten Szenarien eine gute Ausgangsbasis für den hoffentlich weiteren Erfolg all derer die sich aktiv am Marktgeschehen beteiligen.


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